zum Konzept

Die pädagogische Überzeugung der Integrierten Gesamtschule (IGS) beruht auf Prinzipien des klassischen Humanismus. In Kohärenz des Bildungs- und Erziehungsauftrages nimmt die Vermittlung von Fachwissen einen ebenso hohen Stellenwert ein wie die Herausbildung eigenständiger, reflektierter und lebenstüchtiger Persönlichkeiten.

KonzeptIGS
So wie alle Bereiche des menschlichen Handelns und geistiger Strömungen unterliegt auch die grundsätzliche Konzeption von Schule und Lernen gewissen Paradigmenwechseln. Etwa seit Beginn der 2010er Jahre, welche wissenschaftlich als zweite Dekade des (menschlichen) Gehirns bezeichnet wird, findet ein solcher Paradigmenwechsel statt, der von einer aversiv-geprägten Überzeugung des Lernens zu einer positiv-assoziierten Überzeugung tendiert. Es liegt allerdings auch in der Natur der Dinge, dass Paradigmenwechsel nicht schlagartig erfolgen, sondern eher einem schleichenden Übergang gleichen bzw. von einer gewissen Trägheit geprägt sind. An unserer IGS wird das Prinzip der positiven Lernerfahrung jedoch nicht nur als Vorhaben formuliert sondern es wird seit der Gründung „gelebt“.




LACHEN, LEBEN, LERNEN


So steht als ein fester Bestandteil des Leitbildes unserer Schule, die Freude bzw. das „Lachen“ im Vordergrund. Diese positive Grundhaltung bildet das Fundament jeglicher Handlungen. Die kompliziertesten Sachverhalte neurowissenschaftlicher Forschung lassen sich häufig auf einfachste Prinzipien konzentrieren. So auch hier: Wird ein Lerninhalt mit Freude und positiven Gefühlen vermittelt findet eine weitaus festere „Prägung“ im Gehirn statt, als wenn er mit negativen Gefühlen besetzt ist. Phantasie, Kreativität und Meinungsbildung sind unter aversiven Lernbedingungen jeglicher Grundlage beraubt. Umso fataler, da ihre Bedeutung für die Zukunft der Schüler/innen nie wichtiger war.


Ein weiterer Grundsatz unserer Pädagogik beruht auf der Überzeugung, dass eine aufrichtige Nähe zwischen Lehrendem und Lernendem existieren sollte. Diese Nähe ist unserer Ansicht nach im Hinblick auf Schule eine Selbstverständlichkeit, sie wird aber erfahrungsgemäß in vielen Fällen nicht zugelassen bzw. oft sogar verpönt und abgelehnt. Will man ein Kind jedoch wirklich und gänzlich erreichen, so dient das gemeinsame Teilen von Empfindungen, Erfahrungen und Erlebnissen (sowohl schulisch als auch außerschulisch) als eine essentielle Grundlage der Vertrauens- und Respektsbildung. Es geht hierbei um die Wahrnehmung des Kindes auf Augenhöhe, welche das Zusammen-„Leben“ nicht nur erleichtert, sondern synergetische Effekte sowohl auf Seiten der Lernenden als auch der Lehrenden hervorruft.

Bei erfolgreicher und authentischer Umsetzung der zuvor geschilderten Punkte (zusammen Lachen, zusammen Leben), geschieht etwas Wunderbares… Das „Lernen“ findet fast wie von selbst statt. Dies mag sicherlich etwas überspitzt klingen, jedoch ist es unumstößlich, dass durch diese Voraussetzungen die beste Grundlage für effektives Lernen geschaffen wird. Das menschliche Gehirn ist für nichts anderes da als zu lernen, es kann gar nicht anders! Unsere Aufgabe besteht im Grunde nur darin, dem Gehirn die denkbar „angenehmste“ Lernumgebung zu schaffen. Die Neurogenese (Bildung neuer Nervenzellen bzw. neuer Synapsen) und damit die Verankerung neu erlernter Inhalte geschehen vor allem dann besonders gut, wenn bestimmte Parameter der Vertiefung des Gelernten eingehalten werden.

igs nawi
„Zukunft entspringt der Freiheit einer wachen Gegenwart.“
(nach Spitzer, Lernen 2002)

Die Freude und damit einhergehend die intrinsische Motivation der Schüler/innen kann durch Vermittlung von Lerninhalten über verschiedene Kanäle erzeugt bzw. aufrechtgehalten werden. So ist es von großer Bedeutung eine sinnvolle Methodenvielfalt zu bieten, welche über den Horizont von Einzel-, Gruppen-, oder Partnerarbeit hinausgeht. Vielmehr ist hiermit die Kombination fächerübergreifenden Unterrichts gemeint. So wird z.B. eine mathematische Fragestellung in ein völlig neues Licht gerückt, wenn sie vor dem Hintergrund realer Lebensbedingungen (z.B. im Wirtschaftsunterricht oder in Naturwissenschaften) zum Tragen kommt. Auch die Handlungsorientierung des Unterrichts trägt in erheblichem Maße zu einem „Selbsterschließen“ von Unterrichtsinhalten bei.

Wir wollen uns die Zeit nehmen den Schüler/innen die Chance zu geben Dinge selbst zu erfahren (auch eigene Fehler zu machen). Hierbei wird in der IGS ein Rahmen geboten, welcher die Möglichkeit heterogener als auch homogener Lerngruppen nutzt. Der Vorteil dieser Kombinationen liegt auf der Hand. Im Rahmen heterogener Lerngruppen erfahren leistungsschwächere Schüler/innen eine Mithilfe und Unterstützung durch leistungsstärkere Schüler/innen und zusätzlich findet das Prinzip „Lernen durch Lehren“ Anwendung. Die Bildung kleiner, homogener Lerngruppen bietet die Möglichkeit der gezielten Förderung leistungsschwacher Schüler/innen bzw. die Forderung von leistungsstarken Schüler/innen  und ein jeweils angepasstes Lerntempo.

Ebenso wie an der Grundschule werden auch an der IGS schülereigene Logbücher geführt, welche zur individuellen und selbstorganisatorischen Tages- und Wochenplanung beitragen. Die Förderung der Selbstständigkeit wird im Rahmen zahlreicher unterrichtsübergreifender Angebote fortgeführt und intensiviert. Dies geschieht z.B. durch die Ermöglichung von Wahl-Pflicht-Kursen aus den Bereichen „Informatik und Technik“, „Garten und Hauswirtschaft“, „Naturwissenschaften“ sowie „Darstellende Kunst“. Außerdem bieten die sogenannten Lernbüros den Schüler/innen die Möglichkeit sowohl leistungs- als auch neigungsorientiert, Fragestellungen zu vertiefen bzw. gezielte Hilfen, welche über den regulären Fachunterricht hinausgehen, in Anspruch zu nehmen. Zusätzlich zu diesen Angeboten bieten wir den Schüler/innen, im Rahmen von AGs Angebote zur Förderung fachspezifischer, kreativitäts- und bewegungsfördernder sowie interkultureller Interessen.

Im Zuge dieser Maßnahmen streben wir eine frühe Orientierung unserer Schüler/innen zu individuellen und den Neigungen entsprechenden „Profilen“ an. Durch das weitgefächerte Angebot werden den Schüler/innen alle Möglichkeiten zur freien Entfaltung ihrer persönlichen Neigungen ermöglicht. Selbstverständlich beruht das Konzept ebenso auf der Überzeugung, dass Neigungen nicht manifestierte Gegebenheiten darstellen, sondern vielmehr einem stetigen Wandel unterliegen und somit eher einem „Sich ausprobieren“ bzw. einem „Sich finden“ gleichkommen. Das Resultat der Umsetzung dieses Konzepts ist die Nivellierung potenzieller Unterschiede zwischen Neigungsorientierung und Leistungsorientierung.

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